Soul Calibur IV Spieletest mit Video

Gut oder Scheiße?
Spieletest: Soul Calibur 4 - Kampf mit Macht und Seele
Episches 3D-Beat'em-Up mit Star-Wars-Bonus von Namco
Das Spielgefühl der Beat'em-Up-Serie Soul Calibur hat sich seit dem Erstling auf Sonys Playstation kaum verändert. Trotzdem ist jeder neue Teil etwas Besonderes - weil Namco es wie kaum ein anderer Entwickler hinkriegt, epische Spiele zu entwickeln. Das aktuelle Soul Calibur 4 lässt aus zwei weiteren Gründen die Vorgänger und die meisten anderen 3D-Prügler hinter sich: seinem Charakter-Editor und einem Funken Macht.
Auf den ersten Blick ist Soul Calibur 4 nichts wirklich Besonderes - ein typischer 3D-Prügler Marke Namco halt. Das Programm bietet einen acht Stufen langen Arcade-Modus sowie eine fünf Levels lange Story. Eine echte Neuerung ist allerdings ein Modus namens Schicksalturm, in dem sich schlagfertige Spieler bis zur Turmspitze hoch oder endlos runter in die Kerker kämpfen können. Pro Etage gibt es ein freispielbares Objekt für den Editor, also ein bestimmtes Paar Hosen, ein schickes Shirt oder einen mächtigen Helm. Um die Objekte freizuschalten, muss der Spieler Aufgaben bewältigen, etwa "Blocke drei Mal in Folge" oder "Falle mit Absicht aus dem Ring". Die Aufgaben sind abwechslungsreich, aber zum Teil unfassbar schwierig zu erfüllen. Dafür ist es umso einfacher, sich Geld zu erkämpfen, um damit die Objekte letztendlich auch zu erwerben. Story- und Arcade-Modus, in denen sich am schnellsten Geld verdienen lässt, stellen mit etwas Eingewöhnung keine große Herausforderung dar.
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Video: Soul Calibur 4 - Test (3:59)
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Die Idee, Kämpfer selbst zu erschaffen, mit Waffen zu bestücken und mit Accessoires auszuschmücken, ist nicht neu. Virtua Fighter 5 und Tekken 5 verfügen beide über Editoren. Trotzdem ist der "Figur erstellen"-Modus von Soul Calibur 4 deutlich mächtiger, weil man jedes Detail an der Spielfigur den eigenen Vorstellungen anpassen kann - von der Augenbraue bis zu den Socken. Einzig bei Gesichtern und Gesichtsausdrücken wurde dezent gespart. Ein paar schöne Beispiele für die von Spielern erstellten Figuren sind im NeoGAF-Forum zu finden.
Soul Calibur 4 legt aber auch Wert auf die inneren Werte der Kämpfer. Zwar hat schon die gewählte Ausrüstung starke Auswirkungen auf Angriffs- oder Abwehrwerte. Aber zusätzlich leveln die Charaktere während der Schnetzeleien ihren Kampfstil hoch. Je höher deren Level, desto mehr Punkte können in bessere Spezialmanöver oder Statusänderungen investiert werden.
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Der besondere Reiz der Do-it-yourself-Überkämpfer liegt darin, dass man mit ihnen im Mehrspielermodus besonders effektiv seine Kumpels erniedrigen kann. Leider klappt gerade das bei Soul Calibur 4 nur eingeschränkt. Zwar dürfen die privat erstellten Krieger in einem speziellen Modus online gegeneinander antreten, allerdings leidet dort der Spielfluss unter Lags. Da macht es keinen Unterschied, ob der Spieler mit einem Arcade-Stick jeden Frame abpasst oder einfach auf den Tasten rumkloppt. Viele Spieler, denen wir im Test begegnet sind, beschränken sich sogar auf zwei bis drei effektive, repetitive Attacken. Es macht zwar Spaß, die Figuren der anderen zu sehen, aber ernsthafte Wettkämpfe funktionieren online nicht. Also muss der Offline-Versus-Modus herhalten, der wie so häufig das größte Potenzial birgt. Auch schade: Spieler können ihre Kreationen nicht auf einem USB-Stick oder einer Memory-Card zu einem Soul-Calibur-4-Abend mitnehmen. Die Charaktere müssen auf jeder Konsole lokal erstellt werden und fangen somit wieder auf Kampfstil-Level-1 an. Das kann Virtua Fighter 5 besser.
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Apropos Virtua Fighter 5: Der Sega-Prügler wird auch in puncto Tiefgang und Spielbalance nicht übertroffen - aber Soul Calibur 4 kommt nah ran an den Genre-Primus. Combos und Attacken sind serientypisch eingängiger und flotter abspulbar. Namco hat aber auch einige Neuerungen in den fünften Soul-Ableger integriert. So wird manchmal mit bis zu drei Partnern gekämpft. Auf Knopfdruck wechselt der Spieler den Kämpfer und ein Partner kommt in die Arena gestürmt. Neben der Leiste für Lebensenergie befindet sich in Soul Calibur 4 auch eine Seelenanzeige. Spielt ein Charakter zu defensiv und blockt die meiste Zeit, dann blinkt irgendwann seine Seelenanzeige rot. Wird während dieser Phase die Kopf-, Brust- oder Beinrüstung zerstört und drückt der Gegner die Tasten für Block, Horizontale Attacke, Vertikale Attacke und Tritt gleichzeitig (oder einen Hotkey), führt er einen kritischen KO aus und gewinnt den Kampf sofort.
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Während Tekken eher rustikal, ruppig und lässig daherkommt, ist ein Soul Calibur seit jeher geschmeidig, anbiedernd und episch. Auch der vierte Teil glänzt wieder bei der Präsentation. Die atmosphärischen Schauplätze haben zum Teil schon einen romantischen Charme: An blutroten Sonnenuntergängen, Lens-Flare-Effekten, türkis schimmernden und glitzerndem Nass wird nicht gespart, und auch die Soundeffekte laden fast schon zum Entspannen und Zuhören ein. Das Rauschen des Windes, Meeres oder zwitschernde Vögel fallen aber neben dem grandiosen Soundtrack kaum auf. Jede Stage hat einen eigenen pompösen Song.
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Technisch gleichen sich die Versionen für Xbox 360 und Playstation 3. Nur die Ladezeiten sind nach einer Installation auf der Sony-Konsole dezent schneller. Jede Version hat einen exklusiven Charakter aus Star Wars. Auf der Playstation 3 röchelt Darth Vader samt englischer und japanischer Originalsynchronisationsstimme, und auf der Xbox 360 hüpft Jedi-Meister Yoda durch die Gegend. In beiden Versionen schwingt außerdem der Held des kommenden Star-Wars-Spiels The Force Unleashed sein Lichtschwert. Leider kann man sich im Editor keinen eigenen Star-Wars-Helden mit hohem Medichlorianer-Wert erstellen.
Soul Calibur 4 ist für Xbox 360 und Playstation 3 erschienen und kostet zwischen 60 und 70 Euro. Auf der Verpackung prangt das USK-"ab 16"-Logo.
Fazit:
Wer sich vor Augen führt, was die Community schon nach wenigen Tagen mit dem Editor zu Tage bringt, kennt das Potenzial von Soul Calibur 4. Jede Menge epischer Fehden lassen sich nämlich dank der Spielefans austragen: Captain Kirk vs Spock oder Ken gegen Ryu. Soul Calibur 4 wurde um den neuen Editor gestrickt - und das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Für Solisten kann das fünfte Soul-Spiel eintönig und wenig motivierend werden, da ein umfangreicher Story-Mode fehlt. Mit ein paar Freunden ist Soul Calibur 4 aber aufs Neue ein großer Spaß auf technisch zeitgemäßem Niveau. Der Star-Wars-Bonus ist durch die fehlende Editor-Integration allerdings nur eine mehr oder weniger gelungene PR-Aktion mit unausgeschöpftem Potenzial.
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