007 Ein Quatrum trost

Spieletest: 007 James Bond - Ein Quantum Trost
Der aktuelle 007-Kinofilm als Spieleumsetzung für Konsole und PC
Daniel Craig ist 007? Von wegen, denn ab sofort kann jeder Computerspieler in die Rolle des James Bond schlüpfen. Die PC- und Konsolenumsetzung des Kinofilms setzt auf unkomplizierte Action, heiße Schießereien und weltweite Abenteuer - unter anderem an einem Ort, den Fußballfans von der letzten Europameisterschaft gut kennen.
Ein Schuss peitscht über das Gelände, der 007-Widersacher mit Namen Mr. White liegt am Boden - das war die letzte Szene aus dem 2006er-Bondfilm Casino Royale. Jetzt ist die Szene in Form eines Gameengine-Videos der Auftakt zum Ego-Shooter Ein Quantum Trost. Gleich nach diesem Einstieg befindet sich der Spieler als britischer Superagent auf dem Gelände der Villa und schießt sich durch Horden von Feinden. Und damit mitten hinein in die Umsetzung des ersten Bond-Films, der mit dem Start des Kinofilms auch als Computerspiel erhältlich ist.
Die Handlung im Spiel folgt weitgehend der des Films: Bond möchte wissen, wer hinter dem Tod seiner Geliebten Vesper Lynd steckt. Dazu ist er in mehr oder weniger geheimen Missionen auch im italienischen Siena unterwegs, erkundet die Seebühne des österreichischen Ortes Bregenz - Fußballfans kennen sie noch von der TV-Berichterstattung während der letzten EM - und eine Reihe weiterer Orte. Zwischendurch schickt ihn das Programm auch in Einsätze aus Casino Royale und Bond rennt in einer kurzen Parcours-Verfolgungsjagd einem Bösewicht über Baukräne hinweg nach.
James Bond 007: Ein Quantum Trost |
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Das Spiel enthält mehrere solcher Sequenzen: Beispielsweise müssen virtuelle Agenten in einer Prügelei zwei Fadenkreuze zur Deckung bringen, damit Bond sicher zuschlägt. Die meiste Zeit verbringt der Spieler allerdings in Feuergefechten mit feindlichen Bodyguards, Wachmännern und Sicherheitsleuten. Mit einer von drei mitgeführten Waffen - die Palette reicht von der einfachen Pistole über Maschinenpistolen bis zum Granatwerfer - schießt 007 aus der Ich-Perspektive. Laserwaffen-Armbanduhren, Raketenwerfer-Kugelschreiber oder andere Hightech-Spezialgeräte aus dem Q-Labor spielen gar keine Rolle.
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Die meisten Kämpfe verlaufen unkompliziert und schnell, weil es zwar viel Nachschub an Gegnern gibt, die aber gefühlt viel weniger Treffer vertragen als in einigen anderen aktuellen Shootern. Wenn Bond getroffen wird, sinkt seine Lebensenergie-Leiste und kurz vor dem Exitus verfärbt sich das Bild grau. Wer sich dann allerdings in eine sichere Ecke rettet, erholt sich innerhalb weniger Sekunden vollständig. Medipacks oder Arzneien gibt es in dem Spiel nicht. Ebensowenig gibt es am PC frei wählbares Speichern: Ein Quantum Trost legt nur ein Savegame an, und zwar an den vom Programm festgelegten Stellen - das allerdings sehr fair.
Abgesehen von Schießereien, wo es allein darum geht, wer schneller abdrückt, gibt es auch ein paar interessanter gestaltete Kämpfe, die für Abwechslung sorgen. So muss Bond mehrfach unter Zeitdruck feindliche Scharfschützen mit seinem eigenen Scharfschützengewehr ausschalten. Oder er muss sich an Gegner heranschleichen und sie mit einem schallgedämpften Genickschuss eliminieren - was in Ein Quantum Trost sehr einfach gestaltet ist, weil KI-Kollegen in der Nähe diese Tricks so gut wie nicht bemerken. Relativ oft hat Bond gegen die feindlichen Massen nur eine Chance, indem er sich per Tastendruck hinter Mauern oder Vorsprüngen verschanzt und die Bösewichte mit der fast frei beweglichen Waffe über das Hindernis hinweg ins Visier nimmt. Das klingt zwar kompliziert, aber die Steuerung funktioniert hier ausgesprochen gut.
Die Levels sind linear angelegt, fast nie verfügt Bond über alternative Vorgehensweisen oder spielerischen Freiraum. Zwischendurch erzählen einige wenige Videos Teile der Handlung. Den größten Teil der Story bekommt der Spieler allerdings durch Sequenzen erzählt, in denen etwa die Stimme von "M" zu hören ist, dazu werden leicht multimedial aufbereitete Landkarten und Fahndungsfotos über den Bildschirm geschoben. Dabei kommen durchgehend die Synchronsprecher der Kinoversion zum Einsatz.
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James Bond: Ein Quantum Trost ist für Windows-PC, Xbox 360, Playstation 3, Nintendo Wii, Playstation 2 und Nintendo DS erhältlich. Unsere Testversion lief auf PC, diese Fassung ist inhaltsgleich mit der für Xbox 360 und PS3. Die Preise für alle drei liegen bei rund 60 Euro - auch für die PC-Variante verlangt Activision also mehr, als andere aktuelle Titel kosten. Im Rechner muss mindestens ein Hauptprozessor mit 3 GHz stecken, unter Windows XP benötigt er außerdem 512 und unter Vista 768 MByte RAM. Die DVD ist kopiergeschützt und muss beim Spielen im Laufwerk eingelegt sein. Von der USK hat der Titel keine Jugendfreigabe erhalten.
Fazit:
Schicke Grafik, sehr viel Abwechslung und spannende Kämpfe: Das alles gibt es in Ein Quantum Trost. Aber viel mehr nicht. Figuren mit Charakter? Fehlanzeige. Selbst die Hauptfigur 007 ist völlig austauschbar. Eine spannende Handlung? Ebenfalls Mangelware. Die Story ist im Spiel müde und verwirrend erzählt. Atmosphäre? Nein. Die Levels sind ebenso leblos wie austauschbar, und typische Bond-Elemente wie schöne Frauen, witzige Waffen oder wenigstens schlagfertige Sprüche kommen so gut wie nicht vor. Als kurzer Actionsnack geht Ein Quantum Trost in Ordnung. Wer allerdings Bond oder ein richtig tolles Spiel erwartet hat, wird enttäuscht.
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